Archive for the ‘German Bulletins’ Category

Warum Gläubige der Kirche wirklich den Rücken kehren

Foto: Getty Images/Flickr Open Der Kirchensteueranteil auf Kapitalerträge hat viele Deutsche dazu bewegt, aus christlichen Kirchen auszutreten

Foto: Getty Images/Flickr Open
Der Kirchensteueranteil auf Kapitalerträge hat viele Deutsche dazu bewegt, aus christlichen Kirchen auszutreten

Von Matthias Kamann:

Geld und Glaube gehören zusammen. Das zeigt der neue Rekord bei den Kirchenaustritten. Dass 2014 fast 218.000 Katholiken ihre Kirche verließen – und es bei den langsamer zählenden Protestanten mindestens genauso viele gewesen sein dürften –, liegt eindeutig am geänderten Einzugsverfahren beim Kirchensteueranteil der Kapitalertragssteuer. Plötzlich, durch Briefe oder Anrufe ihrer Bank, merkten die Leute, dass sie von den Gewinnen ihrer Geldanlagen den Kirchen etwas abgeben sollen.

Zwar ist dieser Umstand als solcher nicht neu und lässt sich gut begründen, zwar sind die Beträge meist niedrig – aber viele sehen das nicht ein und treten aus. Über ihre Religion entscheiden sie anhand des Geldes. Nicht anders war es, als Franz-Peter Tebartz-van Elst mit hohen Ausgaben hohe Austrittszahlen bewirkte.

Bei Gott ans Geld zu denken ist der Religion nicht unangemessen. Die Bibel ist auch ein ökonomisches Buch. Ob Abrahams Reichtum an Vieh oder Josephs Vorratswirtschaft in Ägypten, ob die Bitte ums tägliche Brot, ob Jesu Attacken auf die bestehenden Tauschverhältnisse, ob die Güterteilung der Urchristen – immer wieder geht’s ums Haben und Verlieren, Sparen, Bekommen, Abgeben.

Die Reformation entzündete sich am Ablassverkauf. Heutzutage ziehen Pfingstkirchen in Schwellenländern die Menschen mit Versprechen nicht nur von Wohlergehen, sondern auch von Wohlstand an.

Oskar Groening Trial: ‘Accountant of Auschwitz’ Sentenced to 4 Years in Jail

Left: Oskar Groening as a young man in an SS uniform in an undated photo; right: Groening in the dock of the court in Lueneburg, northern Germany, April 21, 2015. AP

Left: Oskar Groening as a young man in an SS uniform in an undated photo; right: Groening in the dock of the court in Lueneburg, northern Germany, April 21, 2015. AP

LUENEBURG, Germany — The 94-year-old former guard known as the “accountant of Auschwitz” was convicted Wednesday on 300,000 counts of accessory to murder.

Oskar Groening was sentenced to 4 years in jail by the state court in the northern German city of Lueneburg, where a small group of protesters stood outside carrying a white “Don’t forget Auschwitz” banner.

Presiding judge Franz Kompisch noted the importance of such prosecutions even after decades had passed.

“Even after 70 years, one can create justice, and one can find a verdict,” he told the court. “There is a hope that the victims could find some peace and some reconciliation,” he said.

Prosecutors had asked for a 3 1/2-year sentence. It was not immediately clear when and how Groening would serve his time — both sides have a week to appeal the verdict and Groening will remain free in the meantime.

Auf Tugces Sarg lag ein Brautschleier

Familie und Freunde haben Tugce A. zu Grabe getragen. Die Studentin, die von einem 18-Jährigen erschlagen wurde, sollte würdevoll beerdigt werden. Doch es gab Streit um die Zeremonie.

Familie und Freunde haben Tugce A. zu Grabe getragen. Die Studentin, die von einem 18-Jährigen erschlagen wurde, sollte würdevoll beerdigt werden. Doch es gab Streit um die Zeremonie.

Es ist bitterkalt an diesem Tag, an dem Tugce A. beerdigt wird. Wer weiß, vielleicht wäre ja alles nicht so weit gekommen, wenn der Winter zwei Wochen früher in Hessen eingezogen wäre. Dann hätte Sanel M. in der Nacht zum 15. November womöglich nicht eine gute Stunde lang vor dem Offenbacher McDonald’s ausgeharrt, um die Studentin abzufangen und sich zu rächen.

Überwachungskameras zeigen, wie lau die Nacht gewesen sein muss, wie dünn die Jacken waren, die alle trugen. Doch für alles “wenn” und “hätte” ist es zu spät an diesem Mittwoch, an dem morgens ein leichter Reif über den Hügeln im östlichen Hessen lag und jetzt ein scharfer, bitterer Wind in die Gesichter der Trauernden beißt. Das Grab von Tugce ist ausgehoben, schon seit dem Vortag.

Den fast zweiwöchigen Kampf um ihr Leben hat die Studentin verloren. Nun soll sie in Bad Soden-Salmünster bestattet werden, nah bei ihren Wurzeln, so hat es sich die Familie gewünscht. Ihr Grab liegt auf einem Geländestück abseits der größeren Gräberfelder, nah an der Hauptstraße und gleich neben einer kleinen Kirche. Es ist so ausgerichtet, dass Tugces Gesicht Richtung Mekka blickt, wenn sie in dem Ort, in dem sie vor 23 Jahren geboren wurde, ihre letzten Ruhestätte in der Erde gefunden hat.

So viel Nazi-Ideologie steckt im Islamismus

Foto: picture alliance/abaca Die martialische Inszenierung ist ein wichtiger Teil der Wirkung des IS

Foto: picture alliance/abaca
Die martialische Inszenierung ist ein wichtiger Teil der Wirkung des IS

Man sollte vorsichtig sein mit Nazi-Vergleichen. Sie werden oft als billige Waffe im politischen und ideologischen Kampf eingesetzt und tragen selten dazu bei, komplizierte Sachverhalte zu erhellen. Aber angesichts der jegliche Zivilisationsnormen sprengenden Verbrechen der IS-Terroristen im Irak und in Syrien kann man gar nicht anders, als Parallelen zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zu ziehen. Hier einige der offensichtlichsten Ähnlichkeiten.

Erstens: Die Ideologie. Wie der Nazismus ist der Islamismus, aus dem al-Qaida, al-Nusra, IS und andere islamische Terrorgruppen ihren Ideenvorrat beziehen, eine zutiefst antiwestliche Ideologie. Ihr Hauptfeind ist der Liberalismus, also die Kombination aus Individualismus, Demokratie, Freiheit und freier Marktwirtschaft, die maßgeblichen Grundpfeiler westlicher Gesellschaften. Und wie den Nazis gelten auch den Islamisten Amerikaner und Juden als die Verkörperung dieser verhassten Werte, die deshalb bekämpft werden müssen.